Drei Fragen an Markus Hofmeier

Markus Hofmeier hält einen Vortrag auf der Working Products Konferenz 2019 mit dem Titel "Von Business Hypothese zu Produkten mit hohem Kundenwert".
Wir haben vorab drei Fragen zu seiner Rolle, seinem Verständnis von guter User Experience und zur Bedeutung der Teamzusammenarbeit gestellt.

1. Frage: Was macht eigentlich ein "Lead UX, Chapter UX"?

Der Chapter Lead UX ist verantwortlich für den Aufbau und Erweiterung der UX Chapter Funktionen. Die da sind:

  • Governance (Qualitätssicherung einer hochwertigen, konsistenten UX über alle digitalen Touchpoints hinweg)
  • Workflows (z.B. Richtlinien und Verwendung von Living Styleguides)
  • People & culture (Gute Leute mit der richtigen Einstellung heranziehen und weiterentwickeln, Skills und Methoden vermitteln, persönliches Sparring und Coaching, etc.)
  • Tools & Infrastruktur (alles was ein effektives und einfach teilbares Produzieren im UX Gewerk erlaubt)

2. Frage: Woran erkennt man gute User Experience?

Dass dem User immer genau das angezeigt wird, was er im jeweiligen Moment braucht, um eine Aufgabe optimal erledigen zu können. Das setzt auch voraus, dass man die Begrenztheiten der User kennt Informationen aufzunehmen. Das deckt die Werte "usable" und "useful" ab. Dabei soll es sich auch noch gut anfühlen. Was man bei UX "desirable" nennt.
Diese drei Werte abzudecken, ist immer das Ziel. "Desirable" kann auch Mal eine Microanimation in einem Formularfeld sein, die dem User gutes Feedback gibt. Das ist also nicht ein Marketinggimmick, sonder hat immer auch ein UX Ziel. Wenn User manchmal sagen "I love this app" heisst dass das die App die Aufgaben, die der User erledigen will, optimal bedient. Und zwar so, dass selbst der User vorher nicht denken konnte, dass es wirklich so schnell und einfach gehe würde. Wenn ein Anbieter die gewohnten Erwartungen bei Problemlösungen dauerhaft weit übertrifft, kommt Respekt und Liebe der Kunden (User). So wurde z.B. Apple gross. Das ist das ultimative Ziel. The experience is the message.

3. Frage: Was sind die wichtigsten Faktoren in der Teamzusammenarbeit?

UX Know How und Skills sind nur die Eintrittskarte. Um in einem Team und einer speziellen Arbeitsumgebung gut zu funktionieren und belastbare Lösungen bei Themen mit hoher Komplexität zu ermöglichen, braucht man vorallem hohen EQ. Also wissen, wann man Mal die Klappe halten muss, wann man challengen muss, wann man nochmals erklären sollte, wie man Stakeholder abholt, die weniger Ahnung haben, aber wichtig sind bei Entscheidungen, etc.
Dieses Zusammenspiel in der eigentlichen Diskussionsarbeit, die Teilnahmefähigkeit am Prozess, das Feilen an Lösungen mit offenem Visier, das Mitnehmen aller Beteiligten, da werden die eigentlichen Schlachten gewonnen. Und da hilft natürlich, wenn man grundsätzlich an eleganten Lösungen interessiert ist. Also Leidenschaft für das Thema. Ohne das geht es nicht. Und eine grosse Portion Demut. Denn nach oben ist immer mehr Luft, als man gemeinhin glaubt.