Drei Fragen an Falk Engelmann

Falk Engelmann hält zusammen mit Sina Schmidt einen Vortrag auf der Working Products Konferenz 2019 mit dem Titel "Komplex? Aber klar!".
Wir haben vorab drei Fragen zu seiner Rolle, seinem Verständnis von Produktstrategie und zur Bedeutung der Teamzusammenarbeit gestellt.

1. Frage: Was macht eigentlich ein "agile Coach"?

Das kann ich im Grunde nicht beantworten. Ich halte den Begriff für eine Marketing Erfindung, die inflationär verwendet wird. Die wenigsten „Agile Coaches“ haben eine Coaching Ausbildung und nennen sich dennoch so. Der Begriff hat sich aus meiner Sicht verselbstständigt. Wenn er eine Bedeutung hatte, dann aus meiner Sicht folgende: tiefe Kenntnisse in vielen unterschiedlichen Denkmodellen, Frameworks und Werkzeugen, die zur Bewegung von komplexen System verwendet werden können, gepaart mit Coaching Skills. Mit Coaching Skills meine ich mehr als nur die Haltung des Menschen. Coaching ist eine Profession und bringt ebenso Werkzeuge und Denkmodelle mit, die man kennen und vor allem anwenden können sollte, wenn man sich selbst als Coach bezeichnet. Mein Eindruck ist aber, dass Coaching in unseren Breitengraden eher als Trainer übersetzt wird und dann schnell eine Analogie zum Fussballtrainer hergestellt wird. Und davon gibt es in unserem Land bekanntlich Millionen, die alle sehr genau wissen, wie es geht.

2. Frage: Woran erkennt man eine gute Produktstrategie?

Eine gute Produktstrategie erkennt man aus meiner Sicht daran, dass über den erdachten Lebenszyklus des Produkts Wirkung durch das Produkt erzielt wird. Wirkung bezieht sich hier auf die Abgrenzung um Output. Darüber hinaus glaube ich, dass eine gute Produktstrategie mit den Überraschungen des Markts umgehen und darauf reagieren kann. Im Sinne Gerhard Wohlands also Dynamik robust ist. Um diesen Zustand erreichen zu können, muss die Strategie ein „ständiger Fluss von Entscheidungen sein“. Dies kann nun wieder dann gelingen, wenn bei der Strategiebildung ausreichend zwischen Sinn, Zweck und Ziel als rahmengebende Elemente unterschieden wird. Außerdem sollte die Produktstrategie - wenn überhaupt - Organisation nur als Mittel zum Zweck verstehen. Sprich die Organisation muss sich von der Strategie ableiten und nicht umgekehrt.

3. Frage: Was sind die wichtigsten Faktoren in der Teamzusammenarbeit

Aus meiner Sicht die Ausrichtung an Sinn, Zweck und Ziel. Darüber hinaus ein gemeinsames Verständnis von den Konsequenzen eines überwiegend komplexen Systems. Außerdem sehe ich noch einen großen „Posten“ beim Thema Vertrauen. Es nützt aus meiner Erfahrung darüber zu sprechen, was Vertrauen in diesem Kontext ist: (Kompetenz+Kooperationsbereitschaft)/Eigeninteresse. Grundlegend gilt es, sich im Team nicht daran aufzureiben, dass Dinge so sind, wie sind. Vielleicht kann man vereinfacht auch sagen: „Jedes soziale System braucht seine Architektur."